Was ist ein Rassestandard?

Im Ursprungsland einer Hunderasse werden das gewünschte Wesen, der Körperbau und das Aussehen der Hunde beschrieben. Die FCI – die internationale kynologische Union – anerkennt diese Beschreibung, sodass sie für die gesamte Hundewelt als Maßstab gilt, wie ein Hund dieser Rasse sein soll.

Ein Lebewesen kann man nicht an einer Liste von Eigenschaften messen. Man kann immer nur beurteilen, wie sehr ein bestimmter Hund die gewünschten Eigenschaften, Verhaltensweisen und Körpermerkmale aufweist, wieweit er also dem FCI-Rassestandard entspricht. Das zu beurteilen, ist die Aufgabe der "Formwertrichter" auf Hundeausstellungen. Diese Richter sehen immer den Hund als Lebewesen mit seinen Vorzügen und kleinen Abweichungen von den gewünschten Merkmalen und gewichten diese entsprechend. Im Vordergrund steht dabei immer die "Funktionalität" des Hundes, wie sehr er also fähig ist, die ihm ursprünglich zugedachte Aufgabe zu erfüllen.

Im Fall des Westie ist das die Jagd auf Fuchs, Dachs, Marder, kurz alles was unter der Erde lebt. Heute muss der Westie aber weniger ein Jagdhund mit der entsprechenden Schärfe und Hartnäckigkeit sein als ein Familienhund, der sich an die unterschiedlichsten Lebensweisen seiner Menschen anpasst.

Auch das haben die Formwertrichter im Kopf, wenn sie den Westie im Ausstellungsring am FCI-Rassestandard messen.

Der FCI-Rassestandard im Wortlaut

FCI-Standard Nr. 85/27. 9. 2011
Ursprung: Großbritannien
Datum der Publikation des gültigen Originalstandards: 13. 10. 2010 (englische Version)
Verwendung: Terrier.
Klassifikation FCI:  Gruppe 3: Terrier.
Sektion 2: Niederläufige Terrier
Ohne Arbeitsprüfung

Download (aktuelle Fassung: 27. 9. 2011) 

Allgemeines Erscheinungsbild

Kräftig gebaut; tiefe Brust und weit nach hinten reichende Rippen; ebener Rücken, kraftvolle Hinterhand mit muskulösen Läufen, die in hohem Maße eine großartige Verbindung von Kraft und Aktivität zum Ausdruck bringt.

Verhalten und Charakter (Wesen)

Klein, aktiv, unerschrocken, robust, mit beträchtlichem Selbstvertrauen ausgestattet und einem Auftreten, das Raubzeugschärfe erkennen lässt. Wachsam, fröhlich, mutig, selbstbewusst aber freundlich.

Kopf

Abstand zwischen Hinterhauptbein und Augen geringfügig größer als die Länge des Vorgesichts. Kopf reichlich mit Haar bewachsen und im rechten Winkel oder weniger zur Halsachse getragen. Kopf sollte nicht vorgestreckt getragen werden.

Oberkopf

Schädel: Leicht gewölbt; Stirnpartie mit glatten Konturen. Oberkopf vom Ohrenansatz zu den Augen hin geringfügig schmaler werdend.
Stop: Deutlich; aus starken Wülsten der Stirnknochen gebildet, die unmittelbar oberhalb der Augen etwas vorstehen und zwischen den Augen eine leichte Vertiefung aufweisen.

Gesichtsschädel

Nasenschwamm: Schwarz und ziemlich groß; mit dem übrigen Fang eine fließende Linie bildend; Nase nicht spitz vorstehend.
Fang: Von den Augen bis zur Nasenspitze hin allmählich schmaler werdend. Vorgesicht unter den Augen nicht eingefallen oder stark abfallend, sondern gut ausgefüllt.
Kiefer, Zähne: Kiefer kräftig und von gleicher Stärke. Zwischen den Fangzähnen so breit, wie es mit dem verlangten Ausdruck von Raubzeugschärfe vereinbar ist. Die Zähne sind im Verhältnis zur Größe des Hundes groß, mit regelmäßigem Scherengebiss, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen.
Augen: Weit voneinander angeordnet, mittelgroß, nicht groß und rund, so dunkel wie möglich; unter buschigen Augenbrauen hervorguckend; dies bewirkt einen durchdringenden Blick. Helle Augen höchst unerwünscht.
Ohren: Klein, aufrecht und sicher getragen, in einer deutlichen Spitze endend. Weder zu weit auseinander noch zu dicht zusammen stehend. Haar kurz und glatt (samtartig), sollte nicht geschnitten werden. Ohrenspitzen ohne jegliche Befransung. Runde, breite, große oder dicke Ohren sowie solche mit übermäßig üppiger Behaarung sind äußerst unerwünscht.

Hals

Lang genug, um die geforderte Kopfhaltung zu ermöglichen; muskulös; zum Ansatz hin allmählich breiter werdend, wodurch der Hals übergangslos in die gut zurückliegenden Schultern einmündet.

Körper

Kompakt.
Rücken: Eben.
Lenden: Breit, kräftig.
Brust: Tief; Rippen in der oberen Hälfte gut gerundet, an den Körperseiten abgeflacht wirkend. Hintere Rippen weit zurückreichend; Abstand zwischen der letzten Rippe und der Hinterhand so kurz, wie es mit einer freien Bewegung vereinbar ist.
Rute: 12,5 bis 15 cm lang; mit hartem Haar bedeckt, ohne Befederung; so gerade wie möglich und forsch, jedoch nicht lustig oder über den Rücken gezogen getragen. Eine lange Rute ist unerwünscht und Ruten dürfen in keinen Fall kupiert werden.

Gliedmaßen

Vorderhand

Vorderläufe: kurz, muskulös und gerade, dicht mit kurzem, hartem Haar bewachsen.
Schultern: Schräg zurückliegend. Schulterblätter breit und eng am Brustkorb anliegend. Schultergelenk nach vorne gelagert.
Ellenbogen: Eng anliegend, wodurch eine freie Bewegung der Vorderläufe parallel zur Körperachse ermöglicht wird.

Hinterhand

Kräftig, muskulös und im oberen Teil breit. Läufe kurz, muskulös und mit starken Sehnen.
Oberschenkel: Stark bemuskelt und nicht zu weit auseinanderstehend.
Sprunggelenke: Gut gewinkelt und gut unter den Körper gestellt; in Stand und Bewegung ziemlich dicht nebeneinander. Steile oder schwache Sprunggelenke äußerst unerwünscht.

Pfoten

Vorderpfoten größer als Hinterpfoten; rund, von angemessener Größe, kräftig, mit dick gepolsterten Ballen; mit kurzem, hartem Haar bedeckt.
Hinterpfoten kleiner als die Vorderpfoten und dick gepolstert. Unterseiten der Ballen und alle Krallen vorzugsweise schwarz.

Gangwerk

Frei, gerade und rundherum flüssig. Die Vorderläufe werden aus der Schulter heraus raumgreifend nach vorne bewegt. Bewegung der Hinterhand frei, kraftvoll und nahe nebeneinander. Sehr biegsame Knie- und Sprunggelenke und gut unter den Körper greifende Sprunggelenke bewirken den Schub. Steife, stelzige Bewegung der Hinterhand und Kuhhessigkeit höchst unerwünscht.

Haut

Frei von allen offensichtlichen Hautproblemen

Haarkleid

Haar: Doppeltes Haarkleid. Das Deckhaar besteht aus ca. 5 cm langem, harschem Haar ohne jegliches Zeichen von Locken. Unterwolle pelzartig, kurz, weich und dicht. Offenes Haar äußerst unerwünscht.
Farbe: Weiß.

Größe

Schulterhöhe ca. 28 cm (11 ins.).

Fehler

Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten sollte als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung und zu dessen Einfluss hinsichtlich Gesundheit und Wohlbefinden des Hundes stehen sollte.
Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.

N.B.

Rüden sollten zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.